Buch · Rezension

Dorothe Zürcher: Stabilitas loci. Der Weg der Wiborada

Die Glaubensgeschichte des Christentums in Europa ist lang und beinhaltet viele Schicksale. Es gab, wie auch heute, Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, die mit unterschiedlicher Intensität dem Glauben angehörten. Das Leben von Woborada im 10. Jahrhundert war ein ganz besonderes Leben, denn es war erfüllt mit Schmerz, Entbehrungen und Kämpfen. Doch ihr Weg und ihre Bestimmung sollten zu einem entscheidenden Beitrag der schweizerischen Geschichte werden.

Die junge Frau wurde in eine ungewisse Zeit geboren. Päpste und Könige stritten sich um 900 n. Chr. um Land und Besitz. Benachbarte Reiche und Kulturen nutzten diese Zeit, um sich selbst zu bereichern. Viele Menschen litten im Alpenbereich unter Hunger und Gewalt. Auch Wiborada musste dies als Mädchen am eigenen Leib erfahren, doch diese Erfarhung brachte sie ihrer Bestimmung näher, denn sie gab sich dem christlichen Gott hin.

Als Adlige geboren sollte Wiborada eigentlich einem gut betuchten Ehemann als Pfand vermählt werden. Doch Wiborada weigert sich und pilgert stattdessen zu Fuß nach Rom, um an den Gräbern von Heiligen zu beten. Doch statt der erhofften Erleuchtung, erwartete sie die Welt in ihrer schrecklichen Schönheit. Sie kehrt Heim und lebt dann bald als Einsiedlerin in einer Hütte.

Und damit hatte sie ihren Weg besiegelt. Nach einigen Jahren konnte sie große Männer dazu überreden sich als Klausnerin an eine Kirche in einen kleinen Raum einmauern zu lassen. Dort begann sie Visionen zu empfangen, die das Schicksal des Klosters von St. Gallen beinflussten. Wegen dieser Taten wurde sie kurz nach ihrem Tod heilig gesprochen.


Dorothe Zürcher hat mit der Geschichte von Wiborada ein ansehnliches Werk geschaffen. Sie hat durch gute Recherchen das Leben im Frühmittelalter wirklich unglaublich anschaulich dargestellt. Die Lebensumstände wurden von ihr nicht romantisiert oder verklärt, sondern einfach hart und klar geschildert. Es war ein Buch voller Leiden und stimmte mich tatsächlich nicht sehr fröhlich oder motoviert. Die aufopferungsvolle Hingabe an den christlichen Gott war mir persönlich schon immer suspekt, aber es gab in den letzten 2000 Jahren viele Menschen, die dem Ruf des (in meinen Augen) religiösen Fanatismus gefolgt sind. Die Autorin hat es wirklich sehr realitätsnah dargestellt.

Mich persönlich sprachen die vielen Bibelzitate nicht sonderlich an. Sie waren absolut sauber recherchiert und rundeten das Werk auf jeden Fall ab. Für mich war es aber dann doch ein Spritzer zu viel Christlichkeit. Aber ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es las sich sehr gut und war immer wieder sehr spannend, auch wenn ich von dem Weg der Wiborada durchaus entsetzt bin.

Ein Buch also mit Höhen und Tiefen. Aber eine durchaus spannende Geschichte, die auf wahren Begebenheiten und gut recherchierten Quellen beruhen.

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