Buch · Rezension

J. R. R. Tolkien: Die Geschichte von Kullervo

Alte Sagen und Legenden, woher kommen sie, wer hat sie geschrieben? Schon im Mittelalter haben Autoren versucht die seit Ewigkeiten erzählten Geschichten aufzuschreiben. Oder sie taten so und haben sie sich ausgedacht. Auch dann versuchten sie eine Erzählform zu finden, die der alten entsprach. Auf diesem Wege war auch J. R. R. Tolkien immer versucht Geschichten zu erzählen. Viele dieser Versuche waren wirklich Erfolgreich, doch die Geschichte von Kullervo ist ein Beispiel dafür, dass einige seiner Projekte nie beendet werden konnten oder wollten. Aber wieder war ich von der ersten Seite an begeistert.

Dieser Beginn des frühen Werks, das Tolkien in seiner Studentenzeit verfasste, ist ein Ableger des finnischen Sagenepos Kalevala. Er war offenbar von dieser Sammlung so begeistert, dass er den Zyklus von Kullervo selbst erzählen wollte. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass er eine wertvolle Übersetzung ins englische liefern wollte. Aber da es Tolkien war,  fertigt er natürlich nicht einfach eine schnöde Übersetzung an, sondern eine gleichzeitige Übertragung ins alt-englische. Er war so ergriffen von dem Epos und der Geschichte der Überlieferung, dass ihn das Thema nicht mehr loslies.

Die Kalevala, die finnische Helden-Sagen-Epos-Sammlung, wurde erst im frühen 19. Jahrhundert aus gesammelten mündlichen Überlieferungen zusammengetragen und veröffentlicht. Damit ist es eine der jüngsten Nationalepen, die wir in Europa haben. Und doch ist sie so Zeitlos, wie es nur ein Sagenepos sein kann.

Für Tolkien muss es eins der Werke gewesen sein, die ihn in jungen Jahren erreichten und damit sehr prägten. In allen seinen nachfolgenden Schöpfungen finden wir Anlehnungen oder Ideen der Kalevala. Seine erste Auseinandersetzung mit dem Thema finden wir in diesem Büchlein. Es gibt darin sogar einige Abdrucke der Manuskripseiten (mehr gibt es wieso nicht) sowie alle Kommentare, Streichungen oder fehlerhaften Stellen.

Ich finde es immer wieder toll in die Gedankenwelt von Tolkien einzutauchen. Sie inspiriert und fasziniert mich sehr. Es ist erstaunlich, wie ergiebig das Material ist und in welchen Massen der Mann Text produziert hat. Die Phantasie in seinem Kopf scheint unerschöpflich gewesen zu sein. Für mich ist es ein Geschenk.

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