Buch · Rezension · [OFF-Topic]

Gastbeitrag: Bernhard Hennen und Robert Corvus: Silberflamme (Phileasson Saga Bd. 4)

Mit „Silberflamme“ setzen Bernhard Hennen und Robert Corvus ihre Abenteuerreise um die beiden Helden Asleif Phileasson und Beorn Asgrimmson und ihren Ottajaskos fort. Auf der Jagd um den Titel „König der Meere“ sollen beide nun die Silberflamme finden.

Der neue Band der Sage kommt mit 669 Leseseiten plus einem umfangreichen Glossar daher. Man möchte annehmen, dies würde den Autoren genügend Raum geben, sowohl die Geschichte, als auch ihre Figuren zu entwickeln. Gerade letzteres könnte der erfahrene Saga-Leser jedoch etwas vermissen. Die Figuren werden nur mangelhaft vorangebracht, auch nicht diejenigen, die einen innerhalb des Buches wieder vorzeitig verlassen. So bleibt manche Geschichte unerzählt, was bei der Seitenstärke des Buches doch wundert. Aber wer weiß, welche Überraschungen die Autoren noch für uns bereithalten? Eine Wiederkehr der einen oder anderen Figur ist durchaus denkbar.

Zu den erfreulichen Aspekten gehört, wie auch schon in den Vorbänden, die detailreiche und zeitgenaue Schreibweise der Autoren. Die Beschreibungen des Reiseablaufes und Fortschreitens der Geschichte, aber auch der für die Mannschaften unerträglichen Wartezeiten an so mancher Eposidenstelle ziehen den Leser in ihren Bann. Jedoch, genau diese Langsamkeit im Erzählstil macht das Vorankommen im Buch mitunter zu einer Gelduldsprobe. Zeitweise hat man das Gefühl, Teil der Ottajasko zu sein und die Reisenden kommen nur deswegen nicht voran, weil man als Leser nicht schnell genug lesen kann. Was einerseits den Reiz der gesamten Saga ausmacht, wird streckenweise zur echten Belastung.

Beide Autoren kommen also ohne große Zeit- und Ortssprünge aus, abgesehen von den verschiedenen Orten, an denen sich die beiden Ottajaskos jeweils befinden. Dafür hat man mitunter das Gefühl, man könne den Übergang der ortstypischen Flora, Fauna und Geografie selbst miterleben. Jedoch offenbart sich hierbei eine weitere Schwäche des Buches. Über Land und Leute, regionale Besonderheiten, gebietstypische Geländeeigenschaften erfährt man doch nur sehr wenig. So neigt man ständig dazu, diese mit den Gegebenheiten unserer eigenen geografischen, geologischen, klimatischen, sowie biologischen Umwelt gleich zu setzen. Gleiches gilt auch für die anthropologischen und folkloristischen Besonderheiten, der anzutreffenden einheimischen Bevölkerungen. Eine Besonderheit der Reihe, deren Ursache in dem vorangehenden Spiel zu suchen ist, aber für den des Spieles unkundigen Leser schwer zu verstehen ist. Die beiden Teams verlassen nun den Norden und nähern sich allmählich Mittelaventurien. Zunächst ist unklar, was die Silberklinge sein soll. So besteht die Hauptaufgabe beider Teams daraus, herauszufinden, was sie suchen sollen.

Ein zweiter Handlungsstrang entwickelt sich parallel zu den zwei jungen Elfen Lailath und Nantiangel, die ein gestohlenes Artefakt ihrer Sippe wiederbeschaffen sollen und wollen. Ihre Geschichte beginnt schon lange vor Beginn der Wettfahrt der beiden Haupthelden. Dabei sind sie auf der Jagd nach Erm Sen, einem berühmten Schwertmeister. Bald schon wird deutlich, dass sich beide Geschichte am Ende zusammenfügen.

Das Problem der immer wieder sich reduzierenden Protagonisten aus beiden Mannschaften lösen die beiden Autoren derart, dass neue Figuren auf dem Spielbrett  erscheinen. Erhellt wird weiterhin nicht, welche Rolle Cellyana, die Leiterin der Magischen Akademie in Thorwald, in diesem Quest spielt. Die von ihr erdachten Aufgaben werden den Reisenden als Prophezeiung ausgesprochen. Am Ende bleiben auch die Beweggründe der dunklen Hochelfe Pardona unklar. Sie verfolgt ihre eigenen Ziele, die ebenfalls weiterhin im Dunklen bleiben. So kann der erfahrene Quest-Leser hier nur vermuten, dass durch diese beiden Figuren die helle und die dunkle Seite der Macht im Hintergrund ihre Fäden ziehen und ein ganz anderes Spiel gespielt wird. Bislang handelten die Aufgaben für die beiden Ottajaskos rund um die Mythen der Hochelfen. Es bleibt spannend, ob dies auch weiterhin der rote Faden in der Saga bleiben wird.

Die Saga schreitet voran. Die Figuren entwickeln sich an unbekannten, neuen Geschichten, aber auch an bekannten, neuinterpretierten Fakten. So bleiben die biografischen Hintergründe der beiden Kapitäne weiterhin im Undeutlichen. Immer wieder blitzen in kurzen Momenten Episoden aus ihrer Vergangenheit auf, die den Beginn und den Verlauf der Saga unter einen anderen Stern stellen und so erfreulich viele Variationsmöglichkeiten für die weitere Entwicklung der Geschichte entstehen.


Die Geschichte lebt von der Raubeinigkeit seiner Helden, den Mythen, die sich um sie ranken, von Macht und Liebe, sowie Intrigen, die noch lange nicht gelüftet scheinen. Gewürzt wird mit Magie und den aus den bekannten Fantasy-Sagas bestens bekannten Völkern, wie den Elfen, Goblins oder Ogern. In den Momenten, in denen sich die Ottajaskos mit diesen auseinandersetzen müssen, zumeist kriegerisch, gewinnt die Geschichte schnell an Fahrt. Hier spielen beide Autoren ihre Erfahrungen im Umgang mit diesen Sujets aus. Wer nun der größte Seefahrer aller Zeiten wird und sich am Ende „König der Meere“ nennen darf, vermag dieser Band der Reihe noch nicht aufzuklären. Soll er auch nicht. In achtzig Wochen sollen die beiden Kapitäne den Kontinent Aventurien umrunden und es wird sicher auch achtzig Wochen dauern, bis der Leser das Ende der Geschichte erreicht, die Wartezeiten auf den jeweils nächsten Band einmal nicht berücksichtigt.

Am Ende noch ein Rat für den Lesewilligen: Dieser Teil eignet sich nicht für einen Quereinstieg in die Saga. Das Vorwissen aus den vorherigen Bänden empfiehlt sich unbedingt.

Nordwärts (Die Phileasson-Saga 1)

Der Himmelsturm (Phileasson-Saga, Bd. 2)

von Alex

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Ein Kommentar zu „Gastbeitrag: Bernhard Hennen und Robert Corvus: Silberflamme (Phileasson Saga Bd. 4)

  1. Hach, ich liebe ja DSA, traue mich aber irgendwie nicht an diese Saga heran. Gefällt sie mir nicht, bin ich desillusioniert, gefällt sie mir, muss ich dauernd ungeduldig auf weitere Bände warten. Eine klassische lose-lose-Situation. 🙂

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