Buch · Rezension · [OFF-Topic]

Ernst Peter Fischer: Durch die Nacht. Eine Naturgeschichte der Dunkelheit

Und wieder hat der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer ein Buch über ein spannendes Thema veröffentlicht. „Durch die Nacht“ soll eine Einführung und ein Überblick über die Wahrnehmung der Nacht sein.

Schon als ich den Titel las, fragte ich mich, wie der Autor es schaffen wollte, dieses komplexe Thema zu erfassen und in ein dann doch recht schmales Buch zu fassen. Da ich von Der Verzauberung der Welt recht begeistert war, hatte ich schon große Erwartungen. Doch es stellte sich wirklich als recht schwierig heraus den roten Faden unter aller Prämisse beizubehalten. Manche Argumente wirkten konstruiert und wahllos zusammengestellt.

Dies ist jedoch kein Hindernis für dieses Buch. Denn solch ein komplexes Thema kann womöglich nur durch Hinzuziehung von außergewöhnlichen Maßnahmen begriffen werden. Denn was ist die Nacht? Außer dem Offensichtlichen (Sie ist nicht der Tag!) ist sie der Raum für Geheimnisse, für Gewalt und geheime Liebe und für so viel mehr. Große Dichter wie Goethe schrieben über sie und es gibt viele Sagen und Legenden über nächtliche Himmelskörper.

Die Nacht ist auch ein viel genutztes Synonym für ‚eine schwere Zeit durchmachen‘, denn der ‚hoffnungsvolle Morgen‘ wird bald Licht spenden. Die Nacht kann somit beides sein: eine Zeit voller Hoffnungslosigkeit oder eine Zeit voller Erwartungen. Das ‚dunkle‘ Mittelalter wurden überwunden und das ‚Licht‘ der Vernunft strahlt über die Zeit der Aufklärung. Die Nacht wird immer mit Dunkelheit verglichen, sie sind unzertrennliche Partner. Die Zeit und Farbe, mit der Verbrechen begangen werden, in der Menschen von Angst stärker beherrscht werden, in der Geheimnisse weiter gereicht werden.

Und doch birgt diese dunkle Nacht etwas unvorstellbar Schönes, wenn der Blick in den Himmel gehoben wird. Unzählige Sterne und Galaxien sind dann dort zu sehen, ferne Planeten scheinen greifbar. Im Schutz der Nacht nutzen auch verschiedene Tiere die Gelegenheit ungesehen auf Nahrungssuche zu gehen und viele Pflanzen sammeln ihre Kräfte und gehen in sich.


Wie schon erwähnt ist dieses Thema ‚Nacht‘ so komplex, dass eine rein stringente Beweisführung fast unmöglich erscheint. Es ist sicherlich sinnvoll, es in Bezug zu einzelnen Quellen zu setzen, doch das würde die allgemeine Sicht darauf schmälern. Somit empfinde ich die Vielfalt der Quellen, die Ernst Peter Fischer nutzte, als kleines kreatives Chaos, was evtl. auch einer Eigenschaft der Nacht entspringt.

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