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Universitätsabschluss….Und dann? 

Was vermutlich viele von euch mitbekommen haben, ist die Tatsache, dass ich im letzten Sommer meinen Masterabschluss in Mittelalterlicher Geschichte erworben habe.  Dies ist absolut ein Grund zum Jubeln! Und für mich sogar gleich aus mehreren Gründen (Erklärung folgt). Warum ich euch davon berichten will? Viele fragen mich (und offenbar sich selbst) immer wieder, was ich denn jetzt damit anfangen will. Das ich das selbst noch gar nicht so genau weiß, vermuten sie gar nicht. Und in was für quälende Gedanken sie mich damit immer wieder werfen, beabsichtigen sie sicherlich auch nicht. Aber diese sind nun mal da. Doch ich weiß auch, dass viele Absolventen in geisteswissenschaftlichen Studiengängen nicht so recht wissen, wie es nach der Uni weitergehen soll. Deswegen würde ich euch gerne meine Gründe und Gedanken zu dem Thema erläutern und anderen den Mut geben mehr auf ihre innere Stimme zu hören und nicht so viel darauf zu gucken, was die anderen Studenten tun.

Grund 1: Ich habe mir seit der 7. Klasse auf der Realschule gewünscht Geschichte studieren zu können. Dass ich das wirklich einmal schaffe war damals nicht abzusehen und ist für mich heute ein wirklicher Triumph. Tatsächlich war es einfacher den Weg zu gehen, als ihn vor anderen zu rechtfertigen. Auch wenn die Uni eher ein steiniger als ein sandiger Weg ist, kam ich doch immer ganz gut durch. Der Wunsch Geschichte zu studieren, ohne einen weiteren Berufswunsch, war für viele andere in meinem Umfeld dann eher sehr befremdlich. Was ich denn damit wolle, wurde ich oft gefragt. Streckenweise habe ich mir irgendwelche witzigen Ausreden einfallen lassen, denn auch während des Studiums hatte ich keinen Plan. Ich liebte es einfach Geschichte zu studieren. Womöglich um des Studierens willen. Um Dinge zu wissen. Und es eröffnete meinen Horizont immens (manchmal schäme ich mich sehr dafür wie wenig ich davor wusste und doch der Meinung war alles ganz genau unter Kontrolle zu haben – nun schiebe ich es auf die Jugend!).

Grund 2: Ich komme mit der internen Universitätspolitik nicht zurecht. Kam ich noch nie. Warum? Das habe ich mich oft gefragt und nie eine Antwort gefunden. Es ist möglich, dass ich das Bewertungs- und Benotungssystem nicht gut finde und mich immer dagegen gesperrt habe. Vielleicht ist es auch das Gefühl, dass ‚wir‘ uns von Anfang an durchboxen mussten. Es gab zwar immer ein paar Erklärungen wie es funktionieren könnte, aber ich hatte immer das Gefühl, dass mir etwas verschwiegen wurde. Und dann dieses heuchlerische Gehabe mit den Dozenten und Professoren. Widerlich! Ich bin nun mal niemand der MIT dem Strom schwimmt, ich fühle mich dort unwohl, unwillkommen, beobachtet und ausgestoßen. Und ich hatte gehofft, dass die weltoffenen Universitäten anders wären als die Oberschule. Aber diesen Zahn musste ich mir gleich im ersten Semester ziehen. Pinke Haare und Piercings im Gesicht? -> Durchgefallen im Kurs. Die Erklärung: unkoordiniertes Gestammel meinerseits. Bitte was? Im gleichen Kurs gab es eine Studentin, die hatte ihren GESAMTEN Vortrag monoton vom Zettel abgelesen und dabei angefangen zu weinen, weil sie sich dauernd verlas. Die kam mit einer 2,0 durch. Leider war das kein Einzelfall.

Vielleicht hatte ich Pech, vielleicht ist es aber auch gut so. Es gibt immer Leute, die nicht dazu gehören, die gar nicht dazu gehören wollen. Genie und Wahnsinn liegen eben immer eng beieinander und viele große Denker waren nicht sehr sozialkompatibel (damit will ich nicht sagen ich wäre einer von ihnen).

Und nach der Uni?

Da ich nun schon während meiner Studienzeit wusste, dass ich nicht in/an der Universität arbeiten will, musste ich mir etwas Neues einfallen lassen. Ich liebe Bücher und ich liebe es zu studieren, aber mir fehlte auf Dauer die praktische Komponente. Reenactment bot für mich die perfekten Symbiose. Ich konnte mein Erlerntes in die Tat umsetzen und ging dazu in ein mittelalterliches Dorf in Berlin. Dort hatte ich endlich eine praktische Aufgabe gefunden, sah, dass es auch Jobs gab, die beides verbinden und arbeitete fleißig in den Saisons mit. Ich nähte mir eigene Kleidung aus altem Leinen und versuchte meine Darstellung den Überlieferungen anzupassen. Es machte auch Spaß, bis ich merkte, dass kaum jemand der anderen Vereinsmitglieder daran Interesse hatte sich zu merken, dass ich fachlich ausgebildet bin. Und das nicht im Bogenschießen (was ich dort meistens tat), sondern in der Geschichtswissenschaft. Also machte ich mich lauter bemerkbar. Leider erhielt ich statt eines offenen Ohrs eher Ablehnung. Und Jobs? Die gab es nur für bestimmte Leute, oder für deren Freunde. Oder denen, die ihnen in den Arsch krochen. Und das ist einfach nicht so mein Ding (und ich mag es auch nicht, wenn man das bei mir versucht).

Nun lenkte ich mein Blick auf andere Dinge. Da musste ich mein Hirn wirklich wieder ziemlich doll antreiben um zu sehen, was ich noch so gelernt habe in den Universitäten. Ich kam zu dem Schluss, dass ich, außer etwas über Geschichte zu wissen, schreiben gelernt habe. Scheint das der Schlüssel zu sein? Geschrieben habe ich schon immer gerne. Meine Mitschüler in der Oberschule stöhnen sicherlich heute noch auf, wenn sie sich daran zurück erinnern, wie ich immer im Wahlunterricht meine viel zu langen ‚Kurzgeschichten‘ vorlas. 10 Seiten (handgeschrieben, Vorder- und Rückseite) waren für mich damals kurz. Immerhin hatte ich das in einem Guss produziert. Damals fragte ich mich: „Kann man lernen ein Autor zu werden?“ Durch die negative Einstellung zum Künstlerdasein meiner Familie und den Lehrern verwarf ich die Idee. Das Schreiben in der Uni viel mir dann nicht so leicht. Ich brauchte wirklich über 7 Jahre des Studierens um zu begreifen wie schreiben wirklich funktioniert. Dann gründete ich diesen Blog und lernte, dass ein Text, wenn er nicht von jemandem bewertet wird, mir viel leichter von der Hand ging. Offenbar waren es auch zwei verschiedene Arten des Schreibens. Oder ich hatte einfach nicht den Mut meine innere Stimme (die ich dann endlich fand) wissenschaftlich formulieren zu lassen. Meine Abschlussarbeit ist immerhin eine 2,0 geworden, worüber ich mich absolut nicht beklagen kann!

Das Praktikum bei der Medienproduktionsfirma Kaptorga öffnete mein Blick in eine ganz andere Richtung. Die Männer hatten mit Mitte 30 aus Mangel an passenden Jobaussichten einfach ihre eigene Firma gegründet. Mega! Und eine Freundin hatte mit Ende 20 ihren eigenen kleinen Laden eröffnet. Auch Mega! Ich verneige mich davor und bin gleichzeitig super neidisch. Andere Freunde und ehemalige Kommilitonen haben Jobs in Museen oder an der Uni oder Forschungsinstituten, was in mir nur leichtes Interesse hervorruft (was dann liegen kann, dass ich eher Interesse an der Person habe, als am Job). Doch was sagt mir diese Gefühlsregung für mich persönlich? Eindeutig zieht es mich eher zu dem freidenkenden, kreativen, flexiblen und riskanteren Weg als zu dem sicheren Job in einem Museum oder einer Behörde. Ob ich damit Geld verdienen kann? Möglich. Aber habe ich Geschichte studiert um Geld zu verdienen? Sicherlich nicht! Das war von Anfang an nicht der Grund.


Die praktische Komponente aus meinem Studium, die ich für mich nun also zu nutzen versuche, ist das Schreiben. Das Handwerk beherrsche ich nun schon eine Weile und ich übe mich weiter in verschiedenen Disziplinen. Durch eine glückliche Wendung kam es nun, dass ich dank vieler netter Menschen ab Ende Februar eine Weiterbildung als Online-Redakteurin beginnen darf. Ich bin fest der Überzeugung, dass ich wirklich gute Aussichten habe, wenn ich diesen Lehrgang mache. Er würde meine natürlichen Talente unterstützen, ausbauen und festigen. Und vor allem von der Geschichte weg holen, denn dieses Thema wird zwar immer einen Schwerpunkt in meinem Leben haben, aber ich will nicht mehr DAFÜR leben.

Fazit

Daraus folgt, dass ich erstmal das Thema Geschichte an den Nagel hänge, denn zum einen erreiche ich über diesen Blog nicht diejenigen, die ich bei der Gründung damit erreichen wollte (also weswegen ich eigentlich diesen Blog startete) und zum anderen bin ich es momentan überdrüssig. Doch ich bin jemand, der eben auch viel in die Vergangenheit sieht, sich für die Wurzeln interessiert und das Ganze sehen will. Geschichte bleibt ein Teil meines Lebens, aber ich will mich nicht auf das Mittelalter beschränken.

Für alle weiteren Gedanken, Ideen und Projekte habe ich meinen zweiten Blog AnamRua, in dem ich weiteres über mich und meinen neu entdeckten spirituellen Weg preisgebe. Warum das nun so ist? Weil es eine lange Weile in meinem Leben fehlte und ich dies nun nachholen muss. Auch auf der neuen von mir erstellten Seite vom HEROLD kann gelesen werden, mit was ich mich außerdem noch beschäftige. Was aus dem quâtspreche wird, das weiß ich nicht so genau. Er wird jedenfalls noch eine Weile als Buchblog erhalten bleiben.

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Ein Kommentar zu „Universitätsabschluss….Und dann? 

  1. Hach ja, da kann ich mich einfühlen. Aber ich denke, du hast da schon die genau richtigen Schlüsse gezogen. Niemand studiert Geschichte wegen der Jobaussichten und das ist auch gut so (und, so nebenbei, unmöglich). Praktische Skills erarbeitet man sich auf dem Weg durchs Studium trotzdem zur Genüge. Jetzt muss man nur noch rausfinden, wie man daraus etwas macht, das einem so viel Spaß macht, wie es eben die Geschichte tut. Gar nicht mal so einfach, unmöglich aber auch nicht 🙂

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