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Das 19. Jahrhundert wurde von Richard Dübell in einer einmaligen Form der Erzählung eingefangen. Durch die große Stärke Dübells, schillernde, lebendige Charaktere zu erschaffen, wird eine für mich gänzlich unerforschte Zeit lebendig. Die zwiegespaltenen Meinungen über den Fortschritt der Zeit und die politischen Wendungen erscheinen greifbar, nachvollziehbar und machen diesen Roman zu einem spannenden Auftackt einer Familiensaga und lassen mich spüren, wie der Jahrhundertsturm über die Länder fegte.

Einige Jahre nach dem Krieg gegen Napoleon wächst der Preuße Alvin von Briest in der nähe der aufstrebenden Stadt Berlin auf einem mittelständigen Gutshof auf. Als sein Vater stirbt wird der junge Mann bei der Verteilung des Erbes übergangen und muss nun sein Schicksal in die eigene Hand nehmen. Nachdem er Otto von Bismarck kennenlernt, und dieser ihm zu einer Laufbahn beim Militär rät, lässt sich Alvin als preußischer Solat einziehen.

Gleichzeitig strebt ein intelligenter, jedoch leichtsinniger Bursche namens Paul danach, bei der größten Erfindung des Jahrhunderts mitzuwirken: der Eisenbahn. Er ist harter Arbeit gegenüber nicht abgeneigt und besitzt eine einnehmende Ehrlichkeit sowie eine unbändige Neugier, die ihn immer wieder Kopf und Kragen riskieren lässt.

Die Wege von Alvin und Paul treffen sich und sind ab dann miteinander verwoben. Erst gehen sie gemeinsam nach Paris, arbeiten dort gemeinsam an einem Projekt, das Europa miteinander verbinden soll, und verlieben sich schließlich in die gleiche Frau. Und dies zu einer Zeit voller Umbrüche, voller neuer Traditionen oder dem verkrampften festhalten an alten. Es zeigt sich früher oder später, ob ihre Freundschaft mehr als nur eine oberflächliche Bekanntschaft war und ob sie den Sturm in die Zukunft auf neuen Wegen beschreiten.


 

Für mich war der Roman ein Tor in eine mir bisher unbegreifliche historische Gefühlswelt. Dübell erschuf für mich eine nachvollziehbare Denkweise der verschiedenen Kulturen. Die täglichen, schwierigen Lebensumstände der kleinen Leute und die politischen Diskussionen der größeren gehen Hand in Hand. Auch unangenehme Themen wie die Vorbehalte zwischen den französischen und deutschen Kulturen wurden für mich verständlich.

Leider zieht sich der Roman an einigen Stellen wirklich in die Länge, aber bei über 1000 Seiten ist das auch in Ordnung. Ich bin gespannt auf die nächsten Bände der Reihe und stolz darauf, dass es einen so großartigen deutschsprachigen Autor historischer Romane gibt.

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