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Das viktorianische London des 19. Jahrhunderts brachte nicht nur Technik und Wissenschaft mit sich, sondern auch die dazu passende Literatur, die den Zeitgeist widerspiegelte. Was hier zu Lande der Groschenroman war, wurde in England „Penny Dreadful“ genannt. Zumeist enthielten diese schlanken Romane Themen über das Übernatürliche, Fiktionale und Gruselige. Und eben dieses griffen John Logan und J. A. Bayona auf und formten diese Serie, die von 2013 bis 2016 in drei Staffeln ausgestrahlt wurde.


Da ich meine Leidenschaft für gruselige Serien erst letztes Jahr entdeckt, traute ich mich nur zögernd an Penny Dreadful. Das viktorianische Zeitalter war für mich nie sonderlich interessant, obwohl ich Technikgeschichte studierte. Durch mein Studium war mir die Epoche jedoch durchaus ein Begriff. Die Serie änderte meine Einstellung nun doch erheblich, denn ich fand sie wunderbar, gruselig, schaurig – ich war vorzüglich unterhalten.

Die Story beginnt mit dem unschuldigen Wunsch eines Vaters seine entführte Tochter zu retten. Ziemlich schnell wird allerdings klar, dass dieser Wunsch gar nicht so unschuldig war und dass auch die Entführung keine einfache Erpressung beinhaltete. Nach und nach treten gewisse Gestalten auf die Bildfläche, die den schon genannten englischen Groschenromanen entsprungen sind. Unter anderem Dr. Frankenstein mitsamt seinem Monster, Dorian Gray und Dracula.

Im Mittelpunkt steht der Glaube an Gott und die Frage nach Barmherzigkeit. Immer wieder werden die Protagonisten vor Herausforderungen gestellt, die sie an ihrem Glauben zweifeln lassen. Und immer wieder werden sie darin gestärkt, dass eine Einsicht der Sünden am Ende immer Einlass in den Himmel gewährt. Und obwohl gemordet, gehurt und teufelsanbeterei betrieben wird, scheint eine positive Erlösung auf sie zu warten.

Spannend ist für mich die Figur der Vanessa Ives, die von Eva Green verkörpert wurde. In der Serie Camelot hatte sie auf mich nicht so einen guten Eindruck gemacht (was aber an der Serie liegen kann). In der Rolle bei Penny Dreadful zeigt die schlanke Schönheit, was in ihr steckt. Ziemlich überzeugend spielt sie in vielen Momenten die Bessene. Es waren wirkliche Gänsehautmomente dabei und einige Folgen konnte ich nur mit angeschaltetem Licht schauen.


Doch nicht nur die schauspielerischen Talente überzeugten mich, sondern auch ihr durchdachter Charakter. Die ins Dunkle gezogene Seele, sehnt sich nichts weiter als Liebe und Anerkennung. Sie legt ihre Tarotkarten, lernt von einer Hexe, ist aber selbst keine, sondern kämpft gegen die Verführung der beiden Brüder Luzifer und Dracula. Sie stellt sich für das Leben ihrer Freunde allen Gegnern in den Weg und geht jedesmal Siegreich aus einem Kampf hervor. Und doch hat sie auf der anderen Seite kein Glück in der Liebe und muss allein den inneren Konflikt austragen, was sie in Traurigkeit an den Rand des Wahnsinns treibt. Doch es gibt in ihrem Leben immer wieder Menschen, die ihr zur Seite stehen und versuchen ihr Kraft zu geben.


Weiterhin fiel mir die schöne Kulisse und die schönen Kleider auf. Für mein Verständnis haben die Kostümdesigner sich wirklich große Mühe gegeben. Die viktorianische Mode ist aber auch glücklicher Weise (im Gegensatz zu anderen Epochen) recht gut dokumentiert.

Die Drehorte wirkten auf mich sehr echt und übertrugen die Stimmung wunderbar.

Nur ein negativer Punkt ist mir etwas aufgestoßen, etwas das einfach nicht bis zum Schluss durchdacht wurde. Einer der Protagonisten ist ein Werwolf. Jedoch sind mir die Regeln für eine Verwandlung bis zum Schluss nicht ganz klar geworden (ich bitte um Diskussion). Dieses Exemplar eines Werwolfs verwandelt sich klassischer Weise nur zu Vollmond. Doch offenbar nur dann, wenn er ihn direkt sehen kann, wenn die Sicht also nicht durch Wolken oder Mauern versperrt wird. Und anscheinend nur ab Mitternacht (geschätzt) für ein paar Stunden. Es hat also nichts mit der 3-Nacht-Mondphase zu tun, noch mit der Dunkelheit (denn der Mond ist ja nicht einfach zu Mitternacht mitten am Himmel plötzlich). Nur die Berührung des Mondlichts löst eine Verwandlung aus. Doch diese Kriterien sind auch nur Ortsbedingt gültig. Also wenn mir jemand erklären kann, wie es funktioniert, dann schreibt mir bitte.

Ansonsten war ich bis zum Schluss begeistert! Diese Serie inspirierte mich und schenkte mir einen freudigen Einblick in eine phantastische Welt des 19. Jahrhunderts.

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