Buch · Rezension

Bernard Cornwell: Der Flammenträger (Uthred-Saga Bd. 10)

Uthred, der charmante Raufbold, dessen Leben ich schon seit über 6 Jahren verfolge, ist endlich in seine Heimat zurück gekehrt. Er hat es in den vorherigen Jahren (und neun Büchern) geschafft einen etwas wackeligen Frieden im Land zu stiften und nutzt die Gelegenheit sich sein Zuhause, Bebbanburg, zurück zu erobern. Doch ist es wirklich so einfach? Und was hat es mit dem Flammenträger auf sich?

Voller Zuversicht schmiedet Uthred Pläne, wie er die Burg seiner Vorväter zurück erobern könnte. Doch als er seine Pläne in die Tat umsetzten will, kommt ihm ein ehrgeiziger Schotte in die Quere. Außerdem erweist sich der Frieden, den er im Band 9 der Saga (Die dunklen Krieger) geschaffen hatte, als zu brüchig. Offenbar wurde der Krieg nur um einige Jahre aufgeschoben. Doch er hatte seine Tochter und ihren Mann eingesetzt und sie würden den größten Schaden erleiden, wenn der Friede nicht halten sollte.

Also muss Uthred seine Eroberungspläne vorerst auf Eis legen und versucht heraus zu bekommen, wer absichtlichen den Frieden frühzeitig brechen will. Dabei stößt er auf viele unterschiedliche Charaktere: ehrgeizige, wahnsinnige, treulose, ehrenvolle.

Und der stolze Krieger Uthred wird alt. Dies wird immer deutlicher. Oft versinkt er in Erinnerungen, zu jedem Ort kennt er eine Geschichte, die er selbst erlebte. Gefühlt jede Stadt in Britannien wurde schon von ihm erobert oder als Stützpunkt für militärische Zwecke genutzt. Einige Male wird er im Kampf übervorsichtig geschützt, weil die jüngeren Krieger sich um seine Gesundheit sorgen. Doch er nutzt auch sein Alter um Gegner zu täuschen.

Zum Schluss wird Uthreds Traum wahr und er erobert, wie einst der Flammenträger aus dem Norden, seine Burg an der steinigen Küste Northumbriens, unweit des Klosters Lindisfarne. Doch ist das alles gewesen? Der brüchige Frieden wurde um ein Jahr verlängert, doch Uthred muss seine Familie weiterhin beschützen. Es muss also weiter gehen!

Bamburgh Castle. Quelle

Da ich nun schon so viel der Geschichte um Uthred miterlebte, fühlt sich ein neuer Band immer an, als würde ich ‚heim kommen‘. Auch wenn ich nicht alle Bände hintereinander gelesen habe, bin ich sofort wieder drin in der Geschichte. Der einzigartige abgespeckte Erzählstil Bernard Cornwells zieht mich sofort ins Frühmittelalter und in die Kriegswelt. Uthreds taktisches Vorgehen bei Hinterhalten oder politischen Schachzügen ist sogar für mich Laie (auf diesem Gebiet) logisch und einfach nachvollziehbar. Uthred scheint stets die für sich beste Lösung zu finden. Manchmal jedoch, und das ist nun mal menschlich, werden Fehlentscheidungen getroffen. Und auch davor ist Uthred nicht geschützt, was in diesem Teil sehr deutlich wird. Trotzdem sind ihm die Götter wohl gesonnen. Nur welche Götter sind es noch? Offenbar nutzt er alle Möglichkeiten, die er hat, die Grenzen zwischen den Religionen verschwimmen.

Schon jetzt ist absehbar, das es noch mindestens einen weiteren Teil der Reihe geben wird. Uthred wurden einige Aufgaben übertragen, die wohl noch in Zukunft etwas Unheil bedeuten könnten. Ich bin gespannt und kann es kaum abwarten.

Was für mich eine große Überraschung war, ist Bernard Cornwells Beichte darüber, dass er von Uthreds Familie abstammt, die wohl bis heute überlebt haben soll. Genial, wie man sich selbst, wenn man ein guter Schriftsteller ist, seine heroische Familiengeschichte basteln kann!!

wyrd bið ful aræd

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