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Ja, auch mich hat die Frage interessiert, ob ich ohne Zucker leben kann. Ich habe mich kurzfristig am 1. März dazu entschlossen mit dem Zuckerfasten zu beginnen und würde euch gerne an meiner Erfahrung teilhaben lassen. „Wieso?“ fragt ihr euch sicherlich. „Was hat das mit dem Mittelalter zu tun?“ Ganz einfach, ich erkläre es euch.

Zum einen will ich darauf aufmerksam machen, dass in fast jedem verarbeitetem Lebensmittel, das im Supermarkt gekauft werden kann, zusätzlich Zucker zugeführt wird. Es geht mir hier nicht um den natürlich vorkommenden Zucker in Stärke oder Obst und Gemüse. Mir geht es eher um den, der in Salami oder in Frischkäse oder im gekauften Eiersalat ist. Sogar im so gesund angepriesene Sojajoghurt. Schaut genau hin, was ihr kauft. Zucker MACHT SÜCHTIG! Ich konnte es am eigenen Leib erfahren, der Entzug ist nicht lustig. Zum Vergleich: Ich habe vor vier Jahren mit dem Rauchen aufgehört und das war bei weitem nicht so schwer.

Jetzt zu der Frage mit dem Mittelalter: Für die Menschen des christlichen Mittelalters waren die Ostertage und das Osterfest der heiligste Feiertag des Jahres. Im Frühmittelalter fasteten die Menschen direkt an den Ostertagen. Später ging man dazu über eine 40-tägige Fastenzeit zu praktizieren, weil Jesus zwangsweise 40 Tage in der Wüste fastete. Es gab seitdem einige Veränderungen, doch einige Riten sind immer noch zu beobachten. (Erst kürzlich war ich in Bayern unterwegs und in allen katholischen Kirchen war das große Kreuz am Altar verhangen.)  Das Fasten und Ostern hat in unserer westlichen Kultur zwar einiges an Bedeutung verloren, jedoch wird es immer noch von tausenden von Menschen praktiziert, bzw. gefeiert.
Dazu kommt: Wenn ich an das Museumsdorf Düppel denke und die einfach lebenden Menschen vor 800 Jahren, fällt es mir nicht schwer daran zu denken, dass sie keinen Zucker hatten, nur wenig Süßspeisen zu sich nahmen oder (wie absurd!) ihr Fleisch mit Zucker würzten. Wenn sie ihr Essen süß wollten, dann suchten sie sich Honig (der für mich in den letzten Wochen auch tabu war). Ja okay, sie hatten auch Zucker, nutzen ihn aber trotzdem anders, als wir heute!

Nun genug mit der Vorrede, ich wollte euch von meiner Erfahrung berichten. Es fiel mir, wie schon erwähnt, gar nicht leicht den Zuckerkonsum zu reduzieren, denn ich bin ein Mensch der modernen Zeit, habe einen Schreibtischjob, bewege mich zu wenig und esse zu gern und zu viel Fertigprodukte.


Ich folge den Beiträgen von Hannah Frey schon seit einer ganzen Weile. Zuerst nur wegen der Clean-Eating Tipps und den tollen Rezepten und dann kam das Zuckerfrei-Thema auf. Ich dachte mir am Anfang: „Ach, das kann schon nicht so schlimm sein. So viel Zucker isst du ja gar nicht.“ Doch damit hatte ich absolut unrecht, was ich aber erst vor Kurzem feststellte.

Da es mir durch Stress am Anfang des Jahres nicht so gut ging und ich immer müde und antriebslos war, befahl ich mir selbst eine Ernährungsumstellung. Da kam mir die 40 Tage-Challenge gerade recht. Das Buch Zuckerfrei lachte mich so schön im Zeitschriftenladen am Bahnhof an und ich nahm es mit. Doch fasten ist einfacher gesagt als getan. Nun ist es kein Heilfasten, sondern ’nur‘ den Zucker weglassen, aber ich glaube im Endeffekt ist es schwerer in der Durchführung.

Ambitioniert startete ich also in die erste Woche. Ich genoß es Fleisch essen zu dürfen, das Wetter wurde besser, so dass ein Salat dazu meistens genügte. Doch jeden Tag wurde es schwerer auf bestimmte Produkte zu verzichten, die vorher meine Grundnahrungsmittel darstellten: Reis, stärkehaltiges Gemüse, Brot, Milch und Milchprodukte. Dazu kamen die Stimmungsschwankungen, die starken Hjeeper und der innere Drang nach etwas Süßem. Als ich dies meiner Mutter erzählte, sagte sie mir: „Du musst dir Traubenzucker einpacken. Du bist dann unterzuckert, dann wird man so ein bisschen dusselig im Kopf.“ Und damit hatte sie so Unrecht! Denn genau das ist ein Anzeichen einer Sucht. Ich war wirklich schockiert darüber wie sehr mich die Lust auf einen Keks in der Hand hielt. Ich konnte streckenweise kaum an etwas anderes denken.

Als nächstes wurde ich unausstehlich. Gut, dass mein Mann mich schon vorher geheiratet hatte, denn ich glaube während dieser Woche hätte er es nicht getan. Doch schon in der zweiten Woche ging es mir von der Stimmung her besser. Doch dann musste ich ein anderes Problem bewältigen. Obwohl ich schon seit einer ganzen Weile wirklich regelmäßig auf die Inhaltsangaben bei verpackten Lebensmitteln schaue, ist es mir entgangen, dass in vielen industriell gefertigten Produkten Zucker steckt. Dies machte mir das Einkaufen und Kochen, was ich beides eigentlich wirklich gerne tat, zu einem Spießrutenlauf. Ich war in der zweiten Woche wirklich sehr frustriert. Ich hatte keinen Appetit mehr, alles schmeckte fade. Ich hatte keine Lust auf Lebensmittel, wollte nichts mehr kochen. Teilweise ernährte ich mich nur noch von Käse, Ei, Kaffee und Wasser.

Dann hatte ich einen Nervenzusammenbruch. Danach wurde alles besser (was auch damit zusammen hängen könnte, dass ich entdeckte, dass meine Lieblingssojasoße kein Zucker enthielt). Ich merkte, dass es doch gar nicht so schlimm war zu kochen. Ich konnte fast genau so wie vorher Fleisch, Salat, Gemüse und Obst zu mir nehmen. Ich begann mir zum Frühstück Smoothies oder Smoothie-Bowls zu machen. Buchweizennudeln mit Gemüse lässt sich sehr schnell zubereiten und isst sich super gut auch noch kalt am nächsten Tag. Ich eignete mir also eine neue Routine an.

Nun, da es zuhause klappte, war es gar nicht mehr so schlimm, ich wusste ja auch, dass ich bald wieder viele Lebensmittel essen durfte. Jedoch ist es wirklich schwer die Ohne-Zucker-Variante unterwegs durch zu halten, oder wenn man wo eingeladen ist. Bei diesen Gelegenheiten gab ich mein bestes und wich auf die beste Alternative aus, die zu finden war.

In den letzten 10 Tagen der Fastenzeit durfte ich wieder zu mehr Lebensmitteln greifen. Ich bin, ehrlich gesagt, etwas zögerlich und versuche meine neue Routine so lange es noch geht aufrecht zu erhalten. Noch erinnere ich mich gut an die Symptome der Sucht und hoffe, dass ich nicht zu bald wieder rückfällig werde.


Und die Moral von der Geschicht‘: Zucker ist lecker, aber ich brauche ihn nicht.
Es ist ein absolut überflüssiges Lebensmittel. Der Fruchtzucker in Obst und die Kohlehydrate in Gemüse und Fleisch sind der einzige Zucker, den der menschliche Körper braucht. Jedoch ist es oft zu aufwendig ihn nicht zu benutzen. Dazu kommen Erinnerungen an die Kindheit oder an tolle Moment, die man mit einem bestimmten Lebensmittel wieder erwecken möchte. Das funktioniert nicht, wenn es ’so ähnlich‘ gemacht ist.

Doch es gibt auch Dinge, die mich dazu veranlassen weiterhin darauf zu achten, wie viel Zucker ich in mich hinein stopfte. Meine Haut ist sehr viel besser geworden. Ich bin etwas ruhiger und entspannter und kann mich länger konzentrieren. Ich habe wieder Spaß am Kochen und Essen gefunden und probiere wieder mehr aus. Es gibt so viele tolle Lebensmittel und Gerichte auf der Welt, die ganz ohne Zucker auskommen.

Außerdem habe ich das Experiment bis zum Schluss durchgezogen. Meine ganzen anderen Projekte sind Langzeitprojekte und werden erst in einigen Jahren, vielleicht auch niemals, zu einem Abschluss kommen. Ich habe verstanden, dass es auch wichtig ist Kurzzeitprojekte anzugehen. Etwas abschließen zu können ist eine wirklich gute Erfahrung und macht gute Laune. Für eine kurze Zeit auf etwas verzichten zu können, was einen großen Raum im Leben einnimmt, ist schwer, aber machbar. Es bringt niemanden um, es verletzt nicht. Jedoch fokussiert es wesentliche Dinge und zeigt die eigenen Stärken. Ich denke ich werde auch nächstes Jahr wieder etwas für 40 Tage aus meinem Leben verbannen und am Ende froh darüber sein.


Danken möchte ich meinem Mann und meiner ‚Düppel-Crew‘ für die herzliche Unterstützung und Hannah Frey für die wirklich inspirierende Literatur.

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