Buch · Rezension

Richard Dübell: Zorn des Himmels

Richard Dübells historischer Roman Zorn des Himmels ist eine packende Geschichte um eine Naturkatastrophe im 14. Jahrhundert. Die Chroniken berichten von dem über die Ufer tretenden Main und wie er durch die Straßen Frankfurts floß. Genau in dieses Setting entführt uns der Autor mit einer spannenden Geschichte um Treue, Tapferkeit und Mut.

Es gibt vor allem drei Protagonisten in der Geschichte von Richard Dübell. Zum einen begleitet der Leser Philippa, eine junge mutige Frau, durch die Gassen Frankfurts und Sachsenhausens. Als Fährmannstochter ist sie ein bekanntes Gesicht bei den Einwohner. Ihr Leben lang verbrachte sie Zeit am Ufer und auf dem Main und merkt schnell, dass etwas mit dem Fluss nicht stimmt. Mit der nahenden Katastrophe und einem weiteren Auslöser findet Philippa die Kraft sie selbst zu werden. Voller Leidenschaft und Tatendrang beginnt sie für ihre Träume zu kämpfen.

Gleichzeitig weilt der gebannte Kaiser Ludwig I. in der Stadt und wird begleitet von seinem besten Mann und Leibwächter Hiltpolt Meester, der alle Hände voll zu tun hat erst den Kaiser zu schützen und nebenbei Unwetterschäden der Stadt zu beseitigen. Bis er nicht nur um des Kaisers Leben kämpft, sondern auch um sein eigenes. Ein starker Charakter, der sich voll und ganz seiner Aufgabe verschrieben hat.

Und dann ist da noch Mathias – jedenfalls nennt er sich seit einigen Wochen so. Der mysteriöse Fremde, der unbedingt nach Frankfurt muss, erregt Philippas Mitgefühl. Es stellt sich heraus, dass er nicht so hilflos ist, wie er zu Beginn den Anschein erweckte. Wurde er mit einem Auftrag in die Stadt gesandt, oder war seine Aufgabe eine andere?

Zeichnung von Frankfurt und Sachsenhausen um 1550. Gut zu sehen ist die Brücke, die ein wichtiger Handlungsort des Romans darstellt. Quelle: Wikimedia.commons
Zeichnung von Frankfurt und Sachsenhausen um 1550. Gut zu sehen ist die Brücke, die ein wichtiger Handlungsort des Romans darstellt. Quelle: Wikimedia.commons

Richard Dübell schaffte es hervorragend spannende Charaktere in ein Natur-katatrophen-Setting zu platzieren. Nach der ersten Verwirrung durch die ganze verschiedenen Protagonisten, beginnt die Storyline recht zügig.

Durch den einfachen, jedoch nicht platten, Erzählstil Dübells, ist dem Leser genug Raum für seine eigene Fantasie gegeben. Einen Plan der beiden Städte wäre zwischendurch sehr schön gewesen, da ich z.B. nicht wusste, dass Frankfurt aus einer Doppelstadt entstanden ist (oder noch als solche existiert). Philippas Schicksal interessierte mich zumeist, was daran liegen kann, dass ich ihr als Frau am Ehesten nachfühlen konnte. Die Phasen der Katastrophe waren im ersten Moment verwirrend, jedoch ergeben die Recherchen des Autors ein einheitliches Bild, welches mich beeindruckte und was mich das Buch im Nachhinein als noch erschreckender wahrnehmen ließ.

Super fand ich nach der Geschichte das Bonusmaterial. Wer meine Artikel schon etwas länger verfolgt kann feststellen, dass ich eine Vorliebe dafür habe, hinter die Kulissen der Verlagswelt oder die Arbeit eines Autors zu schauen. Ein so bekannter deutscher Schriftsteller wie Richard Dübell, der einen Einblick in seine Arbeit bietet, kommt mir gerade gelegen. Er stellt dem Leser vorherige Fassungen einiger Kapitel zur Verfügung und erklärt sich spätestens damit zum Mensch. Es gibt wohl keinen Autor, der auf Anhieb einen Roman in seiner Endfassung schreibt. Oftmals müssen bestimmte Kapitel immer wieder umgeschrieben werden, damit sie zur Geschichte passen. Auch erste Ideen können im Laufe des Schreibprozesses komplett verworfen werden. Vielen Dank für diesen Einblick in die Ideenwelt eines Autors historischer Romane.

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