Buch · Rezension

Frank Fabian: Die größten Fälschungen der Geschichte

Der Titel macht gleich ganz deutlich worum es in dem Buch geht. Und genau deswegen bin ich so begeistert davon. Menschen wie Frank Fabian sind daran interessiert anderen die Augen zu öffnen, ihnen eine kritische Betrachtungsweise ans Herz zu legen und sie aufzuklären. Dieses Vorgehen sollte viel öfter praktiziert werden, vor allem schon im Schulunterricht, um Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit historischen Quellen zu lehren.

Frank Fabian schreibt in seinem Buch nicht nur über die Ereignisse und die darauf folgende Geschichtsschreibung, sondern erklärt auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Fällen. Denn Geschichtsfälschung ist nicht gleich Geschichtsfälschen. Manchmal passierte es aus unabsichtlichen Gründen, manchmal passiert es noch heute –  und das absichtlich! Die Geschichtsschreibung war schon immer nicht nur eine einfache handwerklich herausfordernde Kunst, sondern ein Mittel zum Zweck. Genutzt und manipuliert von Königen, Herrschern oder anderen Machtstrukturen wird sie verändert, vernichtet oder ganz neu geschrieben.

Immer schreibt der Sieger die Geschichte der Besiegten.
Dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge.
Aus der Welt geht der Schwächere und zurück bleibt die Lüge. – Bertold Brecht

Mir persönlich begegnet die klassische Geschichtsfälschung relativ oft. Das passiert, wenn nur bestimmte Quellen zur Geschichtsdarstellung verwendet werden, wenn Teile weg gelassen werden, weil sie unbequem oder unerwünscht sind. Oder es werden einfach überzeugend Lügen verbreitet. Und diese Praktiken kommen wirklich häufig vor und das nicht nur bei Laien, sondern auch bei studierten Persönlichkeiten. Dies kann einfach durch Ehrgeiz geschehen, weil derjenige lange nichts mehr ‚entdeckt‘ hat, oder auch durch Unwissen, wenn derjenige seinen Behauptungen nicht durch die neuste Forschung ergänzt, oder durch noch viele andere Gründe. Okay, lügen ist ein ganz billiger Trick um Eindruck zu schinden oder sich nicht einzugestehen, dass das Gesagte nicht den Tatsachen entspricht und ein Irrtum vorliegt. (Da hilft nur Augen verdrehen und auf dem Absatz kehrt machen.)

Auch ich hatte es vor kurzem bei einer Hausarbeit für die Uni mit einigen sehr umstrittenen historischen Quellen zu tun. Es wurde darüber diskutiert, ob historische Geschichtsschreiber von ihresgleichen schon falsch abgeschrieben haben, oder ob die archäologischen Quellen falsch gedeutet wurden. Durch mangelnde Quellenlage des Frühmittelalters kann ich es den alten Geschichtsschreibern jedenfalls nicht nachtragen. Um den Teppich der aktuellen Informationen enger zu weben muss eine Aufarbeitung von in Archiven vergammelnden Manuskripten stärker betrieben werden und die Geschichtswissenschaft muss enger mit der Archäologie und anderen Wissenschaften zusammenarbeiten. Nur so können Fälschungen in den Quellen entdeckt und berichtigt werden.

Frank Fabian geht in einem größeren Teil seines Buches darauf ein, wie die christliche Lehre und die katholische Kirche ihren Einfluss auf unsere Geschichte genommen hat. Auch andere Religionen, wie der Mithras-Kult oder ägyptische Religionen, werden besprochen, doch die Zusammenhänge sind weitreichender, als dieser Beitrag zu fassen vermag.

Was ich mir gewünscht hätte wäre eine zeitlich nachvollziehbare Struktur der einzelnen Kapitel zueinander. Es springt von der Französischen Revolution, zu Kommunistischen Großlügen, zu den Weisheiten von Zion, zu Geschehnissen vor 6 Millionen Jahren, zu der Macht von Geschichtsphilosophen. Für mich sind die einzelnen Kapitel ohne großen Zusammenhang, sondern bilden einzelne aneinandergereihte Episoden der Geschichtsschreibung. Und wie vielleicht schon ein bisschen zu erkennen ist, für jede Epoche und fast jede Kultur. Rom, das Dritte Reich und die Vereinigten Staaten von Amerika sind auch mit von der Partie.

Der letzte Kritikpunkt liegt in dem mageren Quellenverzeichnis, in dem Wikipedia, sowie seine eigenen weiteren Quellen auftauchen. Das wirkt auf mich nicht sehr professionell, sondern eher ‚zur Quellenangabe gezwungen‘. Ich lese gerne von aufklärenden Autoren und vertrete einen kritischen Umgang mit Quellen. Doch wie kann ich einem Autor vertrauen, der dazu aufruft quellenkritisch zu denken, wenn er selbst keine richtigen Quellen angibt?

Nun gut, so sollte auch dieses Buch nicht blauäugig zitiert werden, wie eigentlich auch jedes andere. Wenn das beachtet wird, ist dieses Buch eine Bereicherung für jeden geschichtsinteressierten Laien und Profis.

Klärt euch auf, seht genau hin und glaubt nicht alles, was euch jemand auftischt.

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3 Kommentare zu „Frank Fabian: Die größten Fälschungen der Geschichte

  1. Interessant. Ich habe von diesem Autor (ist übrigens ein Pseudonym) vor einiger Zeit ein E-Book gekauft und etwa bis zur Hälfte durchgelesen. Die Grundidee fand ich interessant, die Umsetzung ein bißchen nervig. Mir fielen dabei v.a. ein ziemlich reißerischer Stil und ein mäßiges Reflektionsniveau auf. Ich hatte den Eindruck, daß das Buch zwecks Geldverdienen (was ja an sich überhaupt nicht verwerflich ist) in diesem BILD-Stil verfaßt worden ist und deshalb der Sensation gegenüber sorgfältiger Reflektion und historisch angemessener Darstellung der Vorzug gegeben wurde. Das fand ich schade, weil es aus meiner Sicht hinter dem Potential der originellen Grundidee zurückblieb.

    Entsprechendes hätte ich deshalb auch beim Titel dieses Buches erwartet, und am Ende der Rezension wird ja auch deutlich, daß auch hier die gebotene Sorgfalt auf der Strecke geblieben ist. Trotzdem ist die Besprechung insgesamt ja recht positiv. Ich werde also vielleicht mal einen Blick in das Buch wagen und mir ein eigenes Bild machen. Soweit ich weiß, hat der Autor zumindest Geschichte studiert. Aber es ist eben extrem schwierig, seriöse Sachbücher zu schreiben, denn man muß einerseits allgemeinverständlich schreiben und sollte nicht langweilen, andererseits darf man aber auch nicht übersimplifizieren, weil das Gesagte dadurch falsch werden kann.

    Darf ich außerdem anmerken, daß die Art und Weise, wie im aktuellen Wissenschaftssystem Forschung betrieben wird – nämlich überwiegend im Rahmen relativ kurzfristiger drittmittelfinanzieter Projekte – nicht gerade dazu ermutigt, Ergebnisse kritisch zu reflektieren? Immerhin muß man ja am Ende des Projekts etwas „liefern“. Im Idealfall etwas, das zumindest noch eine gewisse Nähe zu dem hat, was man im Antrag in Aussicht gestellt hat. Andererseits wird ja kaum noch ein Projekt gefördert, daß nicht sowieso schon so angelegt ist, daß man von vornherein sehen kann, was am Ende herauskommen wird. So gesehen, überschätze ich diesen Aspekt vielleicht.

    Gefällt 1 Person

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