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Selten kann ich an Bücher-Grabbelkisten oder Antiquariaten vorbei gehen. Schon einige kleine Schätze begegneten mir dort, genau so wie dieses Exemplar. Schmal und Unscheinbar lag es zwischen den anderen traurigen 1€-Büchern. Dann stand es noch Monate in meinem Buchregal. Der Einband ist für mich nicht sehr ansprechend, aber jedes Mal, wenn ich auf der Rückseite den Klappentext las, stellte ich es zurück und nahm mir fest vor es als nächstes zu lesen. Und endlich kam ich dazu und erlebte noch eine Überraschung. Es war großartig!

Die Geschichte spielt im frühmittelalterlichen England. Gerade haben sich die germanischen Völker etabliert, die christliche Kirche ist schon vertreten, jedoch gibt es noch Anhänger der heidnischen Glaubensrichtungen.

Im Land herrschen nicht nur innerpolitische Konflikte, sondern auch das Christentum muss auf der Insel noch einige Probleme lösen, denn es gibt zwei verschiedene Dogmen, die bis aufs Blut verteidigt werden. Die irische und römische Kirchenlehre stritt unter Anderem über die Frage, wann Ostern gefeiert werden sollte. Für uns heute kaum vorstellbar, mussten diese Daten irgendwann einmal bestimmt worden sein. Die Iren berechneten ihre Daten nahe dem alten jüdischen Kalender, bei dem Ostern auf das Pessah-Fest gefallen ist. Die Römer aber hatten beschlossen das Osterfest auf den heidnischen Tag Ostara zu verlegen (aus unterschiedlichen Gründen). Außerdem hatten die beiden Lehren unterschiedliche Tonsuren, die Frage des Zölibats wurde anders beantwortet und es war in England üblich, dass Ordensfrauen und -männer zusammen mit ihren Kindern in Doppelhäusern lebten.

England musste sich nun im 7. Jahrhundert dazu entscheiden, welche Regeln zukünftig den Vorrang hatten. Und genau zu diesem historischen Ereignis beginnt die Geschichte. Wir erleben mit der irischen ‚Anwältin‘ Fidelma nicht nur die Diskussionen der verschiedenen Parteien, sondern klären mit ihr auch noch Morde auf.

Fidelma ist eine kluge und stolze Persönlichkeit. Durch die lockeren Regeln ihres christlichen Glaubens und den irischen Traditionen war es Frauen tatsächlich zu dieser Zeit möglich einen anwalts-ähnlichen Rang zu erwerben. Sofort merkte ich, dass der Autor Ahnung von dem hat, worüber er schrieb. Um so mehr erfreute es mich zu erfahren, dass der Historiker Peter Berresford Ellis dahinter steckte.

Der Roman ist spannend und schnell und ich habe wieder in die Nacht hinein gelesen. Der Konflikt zwischen den Völkern, Sprachen und Religionen wurde sehr fachlich und handfest dargestellt. Ich bin rund um begeistert und nachdem ich außerdem heraus fand, dass erst letztes Jahr der neuste (24.) Band erschien, freue mich auf die nächsten Teile, die ich irgendwie aufgabeln werde.

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