Buch · Rezension

Tatjana Stöckler: Die Hexe muss brennen

Die Hexen und Hexenprozesse werden sehr oft, völlig ungerechtfertigter Weise, ins Mittelalter transferiert. In diesem Roman von Tatjana Stöckler, erschienen beim Burgenweltverlag, spürte ich deutlich, dass die Autorin diesem Irrtum nicht unterliegt.
Luzia, eine junge Frau mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, gerät ins Visier der Inquisition. Diese Rechtsform des 16. und 17. Jahrhundert ist dafür bekannt, ganz besonders grausam Frauen und Männer zu foltern, weil diese angeblich Schadenszauber gewirkt haben sollen. Doch Luzia ist keine Hexe!

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Der Auftakt der Serie um die Diebin Luzia von Tatjana Stöckler ist …… diesmal fällt es mir wirklich schwer die passenden Worte zu finden. Der Roman ist ganz nett. Erfreulich finde ich den historischen Kontext, der wirklich (endlich mal) gut gelungen ist. Das Wesen einer Stadt der Frühen Neuzeit ist gut eingefangen und auch die Hinweise auf alle umliegenden Personen, Städte und Geschehnisse sind nicht zu präsent, aber vorhanden.

Und trotzdem gibt es einiges, was mich irritierte. Ich habe mich über die Länge der Geschichte sehr mit Luzia angefreundet. Sie ist ein süßes Mädchen, welches durch die Lebensumstände dazu gezwungen wurde nachts auf Raubzüge zu gehen. Was mich am späteren Verlauf der Geschichte so irritiert ist die Beziehung, die sie zu den anderen Charakteren aufbaut. Vor allem die Geschwindigkeit in der dies alles geschieht. Auch der Wechsel zwischen ihrer kriminellen Vergangenheit zu der rechtschaffenen Jungfrau, die ihre langen Finger nur noch für gute Zwecke einsetzt, ist mir nicht ganz klar. Liegt es daran, dass sie (kurz nach ihrer schrecklichen Folter) sich gleich in einen fremden Mann verliebt? Oder das dieser Fremde (der einen sehr guten Ruf genießt) sich in eine kriminelle, Unzucht treibende Frau verliebt?

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Dazu kommen die, mir persönlich sehr unangenehmen, Folterungsszenen. Tatjana Stöckler schaffte es mit sehr plastischen Beschreibungen meine Vorstellungskraft anzukurbeln. Und das etwas zu genau. Vielleicht liegt es auch an meiner generellen Empathie zu den unschuldig verurteilten Frauen in den Hexenprozessen, dass sich mir  sofort der Magen umdreht, wenn Inquisitionsverfahren detaillierter beschrieben werden. Wer also wissen will, wie Frauen bei Verhören gefoltert wurden, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen.

Abgesehen von den noch detaillierteren Liebesszenen (die vom Erzählstil nicht meinem Geschmack entsprechen) ist die Geschichte spannend, mit Wirrungen und Windungen, mit Höhen und Tiefen, mit Witz und voller Leben und Liebe. Sie ist für meinen Geschmack etwas zu kitschig, und trotzdem bin ich gespannt darauf was Luzia im Verlauf der weiteren Romane passieren wird.

Die anschließenden Teile sind sogar schon erhältlich:
Die Huren des Apothekers
Die Morde der Hebamme
Die Pest geht um


Tipps zum Weiterlesen:

Hexenwahn und Hexenverfolgung 1500 – 1800, Präsentation von Prof. Dr. Wilhelm Liebhart

Wikipedia: Hexenverfolgung

Inquisition auf Theologe.de

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6 Kommentare zu „Tatjana Stöckler: Die Hexe muss brennen

  1. Interessant, dass dich die Folterszenen irritiert haben. Meist können Leser von historischen Romanen doch von so etwas kaum genug bekommen 😉

    Hat schon seine Gründe, weshalb ich meine neuen Veröffentlichungen jetzt an Fans von romantischer Fantasy adressiere. Ich schreibe einfach nicht blutdürstend und zugleich Bodenhaftung auf dem heimischen Sofa vermittelnd genug 😀

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      1. Ich kenne die Autorin und ihre Werke nicht, muss sie aber in Schutz nehmen, denn wenn sie „sehr, sehr plastisch“ zu beschreiben in der Lage ist, dann kann das ja kein Mangel sein.
        Nur dann passt dieser „Deckel“ nicht auf dich außergewöhnlichen „Topf“ 😉

        Gefällt 1 Person

      2. Das stimmt, es ist auch kein Mangel. Ich finde nur die Mischung zwischen plastischen Folterszenen und romantischer Liebesgeschichte verwirrend und nicht sehr im Gleichgewicht. Es wirkt unausgewogen. Aber deswegen sollen ja viele Rezensionen veröffentlicht werden. Jeder hat wohl eine andere Meinung und jedem fällt etwas anders auf. 🙂

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