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Momentaufnahme: Gedanken zur Völkerwanderung

Aktuell versuche ich eine Hausarbeit über das frühe England zu schreiben. In der Uni hatte ich letztes Semester einen Kurs über Ethnizität und Identität, der mich oft zum Nachdenken brachte. Nun möchte ich meine Gedanken loswerden und teilen (damit ich hoffentlich besser mit dem Schreiben voran komme).

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Hengist und Horsa von Edgar Wilson Nye (1850-1896). Quelle

Ich hielt vor ein paar Monaten einen Vortrag über die Entstehungssage der englischen Könige und des englischen Königreiches. Hengist und Horsa sind darin die Hauptcharaktere. Die ganze Sage liest sich wie ein Skript zu einem Fanatsyroman, in dem die kampferprobten Sachsen, Angeln und Jüten in 3 Schiffen kommen um den Briten gegen einfallende Völker im Kampf beizustehen. Schon kurz darauf fordern diese Krieger jedoch mehr als Verpflegung, denn sie holen ihre Familien nach und beginnen das Land zu besiedeln. Nun schließen sich die Briten zusammen gegen die Sachsen, Angeln und Jüten, werde jedoch von ihnen besiegt. Die letzte große Schlacht am Mons Badonicus ist bis heute Sagenumwoben, eine Schlacht so bedeutend, dass nur der große Arthus dort gekämpft haben könnte.

Doch Arthus, die Briten und Christen, verlieren gegen so eine große Übermacht an Sachsen, Angeln und Jüten, dass ab diesem Zeitpunkt fast die ganze Insel ihnen gehört.

 

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Was mich jedoch beschäftigt sind natürlich die Beweise und der genaue Ablauf dieser ‚Invasion‘, wie es in der Forschung auch betitelt wird. Wie groß musste die sächsische Bevölkerung bereits gewesen sein, um die eigentlichen Bewohner vertreiben zu können? Und dann kommt mir diese Textstelle von Sonia Chadwick Hawkes in die Finger:

„Die historische Überlieferung sagt von ihnen zwar, sie seien besiegt worden [nach einer ersten großen Bevölkerungswelle],  aber wie sollten die britischen Behörden sie loswerden, wenn sie als Völkerwanderung, d. h. in ganzen Familien gekommen waren? Wohin sollten diese anglo-sächsischen Bevölkerungsgruppen schließlich auch gehen, da ihre Heimatländer durch schwere Überflutungen der spätrömerzeitlichen Meerestransgressionen unbewohnbar geworden waren? Britannien muß damals mit einem Flüchtlingsproblem von erheblichen Ausmaßen konfrontiert worden sein.“ (Hawkes, S. 77.)

Aus den Sachsen, Angeln und Jüten werden die Angelsachsen, die dem Land den Namen England geben. Offenbar ist es der Lauf der Dinge, ob nun durch höhere Gewalt oder Krieg ausgelöst, dass ganze Länder unbewohnbar werden, dass sich Lebensbedingungen ändern und untragbar werden und Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen.

Die Aussage von Sonia Hawkes erinnert mich ganz stark an die aktuelle Situation, wobei ich bezweifle, dass sie diese Ausmaße heutzutage annehmen könnte, gerade auch weil Kriegsflüchltlinge meistens in ihre Heimat zurück kehren wollen. Aber ich sehe viele Parallelen.

Was kann ich daraus lernen? Wohl einiges und doch wieder nichts. Jedenfalls will ich daran erinnern, dass wir nicht die Ersten sind, die solch einer Sittuation ausgesetzt sind.


Quelle: Sonia Chadwick: Die anglo-sächsische Invasion Britanniens, in: Sachsen und Angelsachsen, Ausstellungskatalog, Hamburg: 1978. S. 71-84.

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