Allgemein

Lange Brücke

Die Rathausbrücke in Mitte ist nicht nur eine bedeutende Stelle des mittelalterlichen Berlins, sondern auch ein Beispiel von heutiger Mittelalterrezeption.

Im 13. Jahrhundert waren die Lange Brücke, an deren Stelle heute der Nachfolgebau unter dem Namen Rathausbrücke steht, und der Mühlendamm die zentrale Verbindung zwischen Berlin und Cölln.

Wie üblich im Mittelalter war auch die Lange Brücke mit Häusern bebaut, so wie man es heute noch in vielen italienischen Städten beobachten kann. Es wurde sogar die Theorie aufgestellt, dass sich  das gemeinsame Berlin-Cöllner Rathaus auf der Brücke befunden habe. Dieser These folgt bespielsweise auch der Wikipediabeitrag. Tatsächlich gibt es keinerlei Beweise dafür,  dass sich das Rathaus direkt auf der Brücke funden hat, in jedem Fall aber in unmittelbarer Umgebung.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Lange Brücke mehrfach umgebaut, Ende des 17. Jahrhunderts als erste Brücke Berlins in Stein. Eigens hierfür wurden von Andreas Schlüter Skulpturen geschaffen, so auch das berühmte Reiterstandbild des „Großen Kurfürsten“ (heute vor dem Schloss Charlottenburg).

Das Geländer der Rathhausbrücke , Quelle: Andre_de

Die heutige Rathausbrücke stammt aus der Hand des Architekten Walter Noebel, welcher den Gestaltungswettbewerb aus dem Jahr 1999 gewann. Beendet wurden die Bauarbeiten 2012. Spannend im Rahmen der Mittelalterrezeption ist jedoch das Brückengeländer. Dieses stammt von einem weiteren Architekten, der durch einen zweiten Wettbewerb bestimmt wurde: Erik Steinbecher. Die gussmetallenen Streben sind in Birkenholzoptik gehalten. Steinbecher wollte durch das Design seines Geländers auf den mittelalterlichen Bau der Langen Brücke verweisen. In Fachkreisen von Historikern und Archäologen wird diese Rezeption belächelt. „Achja, so stellt sich ein moderner Architekt das Mittelalter vor“. Mir persönlich gefällt dieses Detail. Natürlich hatte die mittelalterliche Lange Brücke kein Geländer dieser Art, dennoch ist Erik Steinbechers Beitrag zur Rathausbrücke ein netter Verweis auf die Geschichte des Baus.

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