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Dieser zweiteilige Band von Ines Thorn ist eine Geschichte über drei Generationen von Frauen im spätmittelalterlichen Frankfurt und Leipzig.

Der Wäscherin Martha war ein ruhiges und luxuriöses Leben nicht gegönnt. Tagtäglich musste sie die Wäsche derjenigen waschen, die sie dafür bezahlen, und litt unter schrecklichen Wunden an den Händen, hatte kaum Geld für eine Mahlzeit oder Feuerholz. Doch dies wollte sie ihrer Tocher Luisa nicht antun. Als sich die Gelegenheit bot, wurde Luisa zur kürzliche verstorbenen Kürschnerstochter Sibylla (die ihr zum Verwechseln ähnlich sah). Als „Sibylla die Pelzhändlerin und Einrichterin“  brachte Luisa es zu großen Ruhm in Frankfurt, erschuf ihr eigenes Markenzeichen, machte die italienische Mode in der deutschen Stadt beliebt und bekannt. Dabei ging sie über Grenzen und schaffte es aus ihrer ärmlichen Vergangenheit auszubrechen. Jedoch vernachlässigte sie die Liebe, die sie später wieder einholte….

Der zweite Band handelt um Sibyllas Tochter Eva, die das Handwerk der Silberschmiede erlernte und ihr Glück in Leipzig suchte. Jedoch wartete sie dort nicht nur Glück, sondern auch die Liebe auf sie, die sie mit aller Macht suchte. Anders als ihre Mutter, wollte Eva die Liebe in ihrem Leben nicht vernachlässigen, geriet jedoch an den Falschen und musste vieles schlimmes erleiden.

Ines Thorn fesselte mich sehr mit ihren Geschichten. Sie schaffte es die Sittuation des augehenden Mittelalters in Frankfurt und Leipzig anschaulich darzustellen. Leider war mir der Aspekt mit der Kleidung zu kreativ. Ich glaube nicht, dass die Frankfurterinnen im 15. Jahrhundert schulterfreie Kleider trugen oder eine Frau ohne Weiteres die Zunftregeln übergehen konnte. Zwar belegt sie, dass es eine Frau gegeben haben könnte, jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass es in diesem Maße geschah.

Die Geschichte von Eva hingegen finde ich sehr grausam und streckenweise sehr eigenwillig. Die Protagonistin wird mit der Liebe erpresst, die sie zu geben hat, und verliert dadurch ihr Ansehen, ihre Freunde, ihre Fröhlichkeit und fast sich selbst. Nur durch einen großen Spiegel ihrer Mutter geht die Geschichte gut aus. Die wunderbare Darstellung der mittelalterlichen Stadt und des Städtewesens gehen leider total verloren und kommen nur am Rande zum Vorschein.

Offenbar scheinen beide Wege, einmal des Geldes und einmal der Liebe, nicht die richtigen zu sein. Diese Botschaft finde ich sehr beängstigend, auch wenn beide Geschichten mit einem Happy-End enden. Trotzdem kann ich das Buch nur weiter empfehlen, denn sie fangen beide gut die Macht ein, die die Gesellschaft in der aufsteigenden städtischen Kultur hatte.

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