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In eigener Sache

Lieber Leser,

leider bin ich noch nicht dazu gekommen Euch meine Bachelorarbeit vorzustellen. Dies möchte ich heute nachholen. Das Thema: Der Bogen im Mittelalter. Außerdem wollte ich einfach mal zeigen, wie viel Arbeit dahinter gesteckt hat und wie viel Kreativität gebraucht wird, um immer wieder solche Arbeiten schreiben zu können.

Als ich an der TU-Berlin anfing Wissenschafts- und Technikgeschichte zu studieren, wusste ich erst einmal gar nichts damit anzufangen. Schnell stellte sich heraus, dass ich meinem Traum, Geschichte zu studieren, nun durchaus nachgehen konnte. Denn was sich hinter dem langen Namen verbarg, war wirklich ein ausgesprochen umfangreiches Studium der Geschichtswissenschaften, mit dem Schwerpunkt zwar auf Technik und Naturwissenschaft, was jedoch keine Grenze darstellte, sondern eher einen Rahmen, in dem ich mich frei bewegen konnte. Ich nutze das Angebot der TU aus und belegte auch Kurse in Kunstgeschichte, was mich gleich nach dem ersten Semester dazu brachte, schon ein Thema für meine Bachelorarbeit zu finden. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt etwas über die Herstellung eines Buches vor dem Buchdruck zu schreiben. Dazu gehörte auch das Werkzeug zum Herstellen von Papier und Einbänden, wie und welche Farben und Schreibgeräte genutzt und wie sie hergestellt wurden und ggfs. auch wie sie kopiert und verbreitet wurden.

Auch in mein Trimester in Irland an der UCC legte ich die Kurse, soweit ich konnte, auf dieses Thema aus.

Als ich nun aber nach fünf weiteren Semestern bereit war die Arbeit zu schreiben, musste ich feststellen, dass ich zwar viele Informationen gesammelt, jedoch nicht aufgeschrieben hatte, woher ich sie hatte. Ich hätte alles noch einmal lesen müssen (wobei ich gar nicht mehr wusste, was es alles gewesen war).

Gleichzeitig hatte ich um die Zeit herum das Bogenschießen zu meiner Leidenschaft erklärt und nun den ganzen Plan umgeworfen, um meine natürlichen Fragen den Sport betreffend in einen akademischen Rahmen zu packen. Nach kurzer Recherche stand dann das neue Thema fest: Der Bogen im Mittelalter – Wie weit kann Reenactment Erkenntnisse aus Schrift- und Bildquellen ergänzen. (Zum Download über Academia.edu hier klicken)

Welchen Teil ich besonders spannend fand und finde, und welcher auch der große Beitrag meines Mannes zu der Sache war, ist die Umfrage, die ich gestartet hatte. Nachdem ich die greifbare Literatur zu dem Thema gelesen hatte, stellte ich fest, dass die Fragen, die ich hatte, und die für meine Arbeit essenziell waren, nicht beantwortet wurden. Nicht nur die Literatur über Waffen- und Militärgeschichte, auch die der Experimentellen Archäologie oder generell der Geschichtswissenschaft hatte sich noch nicht mit dem Thema des Reenactments oder Living-History beschäftigt. Dies warf mehr Fragen auf, als beantwortet wurden.

Kurz bevor ich aufgeben wollte, hatte mein Mann dann diese großartige Idee einer Umfrage, die ich nach und nach ausbaute und schließlich sogar online stellte. Ich habe in Foren (Fletchers-Corner und Mittelalterforum), hiesigen historischen Bogenschützenvereinen (u.a. Robins Kids), sozialen Netzwerken und Google+ nach willigen Probanden gesucht und auch viele gefunden. Die Fragen reichten vom Bogenbau über Reenactmenterfahrungen bis Informationsquellen.

Ich ließ die Umfrage etwa sechs Wochen laufen und freute mich über jeden Teilnehmer. Etwas Arbeit machte mir jedoch die Auswertung, da ich so etwas noch nie gemacht hatte. Auch die Antworten schweiften manchmal in eine andere Richtung, sodass es sich oft als schwierig erwies, dem roten Faden zu folgen. Am Ende hatte ich jedoch gute Arbeit mit dem Ausdenken der Fragen geleistet, welche mir den Weg zu meiner Arbeit ebneten.

Ich würde mich gerne auch hier noch einmal für die Hilfe der Mitwirkenden bedanken. Ohne die rege Teilnahme hätte ich meine Arbeit nicht so gut machen können. Und auch ein Danke an meinen Professor, der das Thema mit Freuden bewilligt hat. Danke noch mal an alle meine Korrekturleser und ganz besonders an meinen Mann, der alle Höhen und Tiefen mit mir durchlebt hat.

Die Arbeit wurde mit 2,3 (gut) bewertet, was vor allem durch den Aufbau zustande kam. Mein Professor war, meiner Meinung nach, sehr begeistert von der Umfrage, die wohl doch etwas außergewöhnlicher war. Dafür, dass ich eine so unkonventionelle Methode für die Prüfung meines ersten akademischen Grades wählte, bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Immerhin konnte ich kreativ und frei mit vielen meiner Lieblingsthemen arbeiten.

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2 Kommentare zu „In eigener Sache

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