Reiseberichte

Die Marienburg in Malbork

Vor ein paar Monaten war ich mit einem Archäologiekurs der FU Berlin in Nordpolen unterwegs, auf den Spuren der Wikinger und des Mittelalters. Etwa nach der Hälfte der Exkursion kamen wir an der wohl schönsten hochmittelalterlichen Burg vorbei: der Marienburg in Malbork.

Colorierte Lithographie der Südwest-Seite (1890-1905)

Völlig unvorbereitet traf ich auf diese großartige Burg und war sofort hin und weg. Mitten im polnischen Flachland an einem Nebenarm der Weichsel wurde ab dem 14. Jahrhundert von Ordensbrüdern des Deutschen Ordens diese Burg erbaut, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.  Gegliedert wurde sie in drei große Bereiche, die jeweils andere Funktionen hatten. Der älteste Teil ist das Hochschloss, welches den Ordensbrüdern eine Unterkunft bot, sowie den Kapitelsaal, eine Kapelle und die Schlafsäle beherbergt. Danach entstand das Mittelschloss, mit vielen wunderschönen Repräsentationsräumen und dem Hochmeisterpalast. Das Vorschloss umgibt die St.-Lorenz-Kapelle und wurde später mit Verteidigungsanlagen verstärkt, außerdem entstanden dort mehrere Fachwerkhäuser der Bediensteten und entfernten Verwandten.

Grundriss der Burganlage aus Meyers Reisebücher „Ostseebäder“ von 1910.

Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zu über 60% zerstört und später von den Polen wieder aufgebaut. Dies gelang sehr gut, da schon im frühen 20. Jahrhundert dort Restaurierungen gemacht wurden und dazu das Bauwerk detailreich dokumentiert wurde. So konnte die riesige Burg fast originalgetreu rekonstruiert und restauriert werden.

DSCI5652

Was mich am meisten fesselte waren die Wandbemalungen. In fast jedem Raum gab es Reste oder auch große Strecken freigelegter kunstvoller Bilder an den Wänden und Decken. Die Motive reichten von Verzierungen wie Ranken und Sternenhimmel zu ganzen Gemälden. Leider war es in der Zwischenzeit, also von der Erbauung bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts, modern gewesen, diese wundervollen Bilder weiß zu übertünchen, weswegen man die Farbe oft nur durchschimmern sah (letztes Bild) oder sie nur dort zum Vorschein kam, wo die weiße Farbschicht abgeplatz war.

Allein die Tatsache, dass Wände und Decken bunt gestaltet waren, bestätigt mich darin, dass die Welt des Mittelalters von Farben und Formen geprägt war, und dass die Menschen in jener Zeit nicht nur praktisch dachten, sondern durchaus einen ausgeprägten Sinn für Kunst und Fantasie hatten.

Nicht nur aus historischer Sicht ist dieses Bauwerk etwas ganz Besonderes.  Auch die Kunst und Architektur der Burg sind umwerfend und ganz sicher einen Besuch wert. Für den Besuch der Marienburg sollten mindestens fünf Stunden eingeplant werden! Es gibt wirklich viel Erstaunliches (wie eine echte Zugbrücke oder ein Bernsteinmuseum im Keller) zu sehen.

Bunter Kamin
Blumenranken an der Decke, Stoffbemalung an den Wänden und bunte Kacheln lassen den Raum auch ohne Einrichtung und passelndem Feuer lebendig erscheinen.
DSCI5725
So hätte ein eingerichteter Raum aussehen können. Die dunklen Möbel bieten einen starken Kontrast zu dem freundlichen Grün an der Decke.
Saalgemalung
Ein Teilausschnitt eines riesigen Gemäldes eines großen Saales. Viele Details sind zu erkennen und geben dem Saal eine gewisse Königlichkeit.

Es kann sogar eine virtuelle Tour durch die Burg gemacht werden.

Quellen:

Vor allem will ich hier das sehr kompetente deutschsprachige Personal der Rundführungen erwähnen.

Johann Gustav Gottlieb Büsching: Das Schloß der deutschen Ritter zu Marienburg. Berlin 1823

Illustrierter Reiseführer Burg Marienburg, Hrsg.: Foto Liner S.C., 2010.

Advertisements

Bitte hier kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s