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Mittelalter ist überall, Ed. 4

Diesmal in Mittelalter ist überall: Der Mönch in der Statue, die nackten Griechen, zwei Ritter und eine Frage des Standpunkts.

Bereits Ende letzten Jahres ließ das niederländische Weltmuseum Rotterdam an einer chinesische Buddha-Statue aus dem 11. oder 12. Jahrhundert  einen CT-Scan durchführen, um mehr über die Mönchsmumie in ihrem Inneren zu erfahren. Ausgestellt ist die Statue noch bis Mai im Ungarischen Naturwissenschaftlichen Museum in Budapest.

In einem mittelalterlichen Frauengrab in Birma wurde vor knapp hundert Jahren ein wunderschöner Silberring aus dem 9. Jahrhundert mit einem eingefassten Amethyst gefunden – dachten die Forscher! Neue Untersuchungen ergeben, dass der vermeintliche Amethyst ein eingefärbtes Glasstück ist, was zu der Zeit sehr kompliziert und teuer herzustellen war. Das Glasstück wurde mit einem arabischen ‚Für Allah‘ graviert und bezeugt damit die florierende Handelsbeziehung der Wikinger mit der arabischen Welt.

Die alten Griechen verbrachten viel Zeit splitterfasernackt. „When you see the sculptures on display, you might be forgiven for thinking that the standard dress for men, in ancient Athens especially, was a state of undress“, schreibt Ian Jenkins, Kurator des British Museum, auf dem Blog des Museums. Zugegebenermaßen nicht mittelalterlich, gewährt der Artikel anlässlich der Ausstellung Defining beauty: the body in ancient Greek art doch auf amüsante Art aufschlussreiche Einblicke in die Gesellschaft des antiken Griechenland, das wie keine andere Kultur vor allem männliche Nacktheit praktizierte. Die Ausstellung ist ab dem 26. März 2015 im British Museum in London zu sehen.

Im englischen Hereford wurde neben weiteren 700 Skeletten das eines Mannes ausgegraben, dessen Verletzungen darauf hindeuten, er habe wiederholt an Turnieren, einer Praxis vor allem des 12. Jahrhunderts, teilgenommen und dabei speziell am Lanzenstechen (Tjost). Zu lesen ist über diesen besonderen Befund in der Februar-Ausgabe des BBC History Magazine.

„Jede Geschichte hat vier Seiten: Deine Seite, ihre Seite, die Wahrheit und das, was wirklich passiert ist.“ (Zeit Online) Am 12. dieses Monats verstarb der britische Schriftsteller Sir Terry Pratchett. Sein intelligenter, kritischer und fantasievoller Umgang mit Geschichte und seine ebenso einzigartige Weise, Gesellschaft darzustellen und ihr einen Spiegel vors Gesicht zu halten, ist ein ums andere Mal erhellend. Ebenso einmalig ist sein Umgang mit der englischen Sprache. Besonders beeindruckt uns, wie er es immer wieder schaffte, Begriffe und Konzepte komplett zu verdrehen, indem sie  einfach wörtlich nahm, und dadurch gleichzeitig den Zusammenhang, innerhalb dessen sie verwendet wurden, umso deutlicher darzustellen. Terry Pratchett veranschaulicht in seinen Romanen meisterlich, dass Wahrheit, auch geschichtliche Wahrheit, immer eine Frage des Standpunkts ist.

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